Inhalt
IWG hat den französischen Flex-Office-Betreiber Wojo übernommen. Für sich genommen ist das eine Meldung aus Frankreich — Wojo betreibt keinen einzigen Standort in Deutschland. Interessant wird der Deal erst als dritter Zukauf innerhalb weniger Monate. Die kurze Antwort auf die Frage, was das für dich bedeutet: Wer heute in Europa ein Flex Office sucht, verhandelt zunehmend wahrscheinlich mit demselben Konzern — auch dann, wenn auf dem Schild ein anderer Name steht.
Was IWG mit Wojo übernommen hat
Wojo startete 2015 als Nextdoor, gegründet von Bouygues Immobilier. 2019 stieg die Hotelgruppe Accor mit 50 Prozent ein, der Name wechselte zu Wojo, und das Konzept verband flexible Büros mit Hotelservices. Verkäufer sind jetzt beide Gesellschafter gemeinsam, die französische Wettbewerbsbehörde hat die Übernahme freigegeben.
Das übernommene Portfolio umfasst 17 eigenbetriebene Standorte mit knapp 100.000 Quadratmetern und über 900 Unternehmenskunden, darunter Paris, La Défense, Issy-les-Moulineaux, Lyon, Lille, Bordeaux und Brest. Dazu kommt ein Partnernetz von rund 300 Arbeitsorten in mehr als 70 französischen Städten, größtenteils in Accor-Hotels, sowie über 400 Partner-Workspaces europaweit.
In Frankreich betrieb IWG vor dem Deal bereits rund 140 Zentren. Zusammen mit Wojo sind es nun etwa 157. Der Abstand zum nächstgrößeren französischen Wettbewerber vergrößert sich damit deutlich.
Die Einkaufstour 2026 im Überblick
Wojo ist nicht der Ausreißer, sondern das Muster. Innerhalb eines halben Jahres hat IWG drei etablierte nationale Anbieter gekauft:
| Zeitpunkt | Zukauf | Markt | Größenordnung |
|---|---|---|---|
| Februar 2026 | Design Offices | Deutschland | 50 Standorte, 260.000 m² |
| Frühjahr 2026 | Fora (DE-Flächen) | Deutschland | 5 Premium-Standorte |
| August 2026 | Wojo | Frankreich | 17 Standorte, 100.000 m² |
Das Muster dahinter ist erkennbar: IWG kauft nicht irgendwelche Flächen, sondern nationale Marktführer mit starker lokaler Marke, Premiumlagen und bestehenden Konzernkundenbeziehungen. Design Offices war Deutschlands größter Premium-Anbieter, Wojo einer der bekanntesten Namen Frankreichs. Organisches Wachstum wird durch Zukauf ergänzt, nicht ersetzt.
Parallel dazu hat der Konzern die Führung gewechselt. Nach mehr als drei Jahrzehnten gab Gründer Mark Dixon den CEO-Posten ab, Nachfolger ist Christian Schmitz. Dieser hat die Wachstumsambition unmissverständlich formuliert und die Nachfrage nach flexiblen Flächen als in jedem Markt beschleunigend beschrieben. Wie dieser Wechsel einzuordnen ist, steht in unserem Beitrag zum Rücktritt von Mark Dixon.
Wie viele Marken inzwischen einem Konzern gehören
Der für Mietinteressenten wichtigste Punkt taucht in keiner Pressemitteilung auf: Viele Namen, die im Markt wie Wettbewerber wirken, gehören längst demselben Eigentümer. Zum IWG-Portfolio zählen unter anderem Regus, Spaces, HQ, Signature, Stop & Work und Factories — seit Februar auch Design Offices. Weltweit betreibt der Konzern über 4.000 Standorte in mehr als 120 Ländern.
Wer also drei Angebote von Regus, Spaces und Design Offices vergleicht, glaubt eine Auswahl zu treffen — verhandelt in Wahrheit aber dreimal mit derselben Konzernmutter. Das ist kein Vorwurf an IWG, sondern schlicht eine Information, die in die Vorbereitung gehört.
„In über neun Jahren im Markt habe ich noch nie erlebt, dass sich die Eigentümerstruktur so schnell verdichtet. Für Mieter ändert das die Vorbereitung: Man muss heute wissen, wem eine Marke gehört, bevor man sie als Alternative ins Angebot legt.“
Fabrizio Lauria, Gründer von CoWorking Capital
Was Konsolidierung für Mieter wirklich ändert
Marktkonzentration wird gern reflexhaft als schlecht für Kunden bewertet. So einfach ist es nicht — es gibt handfeste Vorteile und handfeste Nachteile, und welcher überwiegt, hängt vom Suchprofil ab.
| Was besser wird | Was schwieriger wird |
|---|---|
| Ein Rahmenvertrag für mehrere Länder statt vieler Einzelverträge | Weniger echte Alternativen in derselben Stadt |
| Einheitlicher Zugang zu einem großen Standortnetz | Preisdruck durch Wettbewerb lässt nach |
| Verlässlichere Prozesse und Abrechnung bei Konzernanbietern | Standardisierte Verträge, weniger Spielraum im Detail |
| Planbarkeit bei Standortwechseln innerhalb des Netzes | Lokale Betreiberkultur geht bei Integration teilweise verloren |
Für ein Unternehmen mit Standorten in mehreren Ländern überwiegt der Netzvorteil oft klar. Für ein Team, das eine einzelne Fläche in einer Stadt sucht, überwiegt eher der Nachteil: Wenn drei der fünf verfügbaren Angebote zum selben Konzern gehören, ist die Verhandlungsposition schwächer, als die Zahl der Angebote suggeriert.
Wichtig ist auch, was sich vertraglich nicht automatisch ändert. Bestehende Verträge laufen nach einer Übernahme zunächst unverändert weiter. Spürbar wird ein Eigentümerwechsel meist erst bei der Verlängerung — durch neue Preislisten, geänderte Servicepakete oder angepasste Standardklauseln. Wer in den nächsten Monaten verlängert, sollte deshalb genauer hinsehen als sonst. Welche Punkte dabei zählen, steht in unserer Checkliste zum Prüfen des Büromietvertrags.
Was das für deine nächste Bürosuche heißt
Drei Dinge werden durch die Konsolidierung praktisch relevant.
Erstens: Eigentümer prüfen, nicht nur Marken. Eine Shortlist mit fünf Namen ist nur dann eine echte Auswahl, wenn dahinter auch verschiedene Betreiber stehen. Mindestens ein unabhängiger Anbieter gehört in jede Shortlist — schon deshalb, weil er die Verhandlung mit den großen Anbietern überhaupt erst zu einer Verhandlung macht.
Zweitens: Lokale Betreiber nicht abschreiben. Große Netze punkten bei Standardisierung und Reichweite, kleinere Häuser oft bei Flexibilität, persönlicher Betreuung und Verhandlungsbereitschaft. Welches Modell besser passt, zeigt der Vergleich in unserem Beitrag Flex-Office-Anbieter vergleichen.
Drittens: Der Zeitpunkt zählt. Während einer Integration sind Betreiber häufig verhandlungsbereiter als danach — Auslastung und Kundenbindung stehen in dieser Phase weiter oben als der letzte Euro Miete. Wer ohnehin sucht, hat gerade eher Spielraum als in einem Jahr.
CoWorking Capital vergleicht verfügbare Flächen deutschlandweit über Konzern- und Betreibergrenzen hinweg, filtert nach realistischer Verfügbarkeit und verhandelt Laufzeit und Konditionen bis zur Unterschriftsreife — auf Mieterseite provisionsfrei. Gerade in einem sich verdichtenden Markt zählt, dass jemand die Eigentümerstruktur hinter den Namen kennt. Standortübersichten gibt es unter anderem für Berlin, München, Frankfurt und Hamburg.
Die Wojo-Übernahme ist für sich genommen eine französische Meldung. Als drittes Glied einer Kette ist sie ein Signal: Der europäische Flex-Office-Markt wächst weiter — aber die Zahl der Eigentümer dahinter wird kleiner. Wer das bei der nächsten Suche mitdenkt, verhandelt aus einer besseren Position.
Du willst wissen, welche Anbieter in deiner Stadt wirklich unabhängig voneinander sind? Sprich uns unverbindlich und provisionsfrei an — wir zeigen dir eine Shortlist mit echten Alternativen.



