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Was Coworking Spaces vom 50-Pfennig-Automaten lernen können

Viele Coworking Betreiber schöpfen ihr Umsatzpotenzial nicht voll aus. Während Meetingräume und Memberships gängige Erlösquellen sind, bleiben kleine, smarte Ideen oft ungenutzt. Dieser Beitrag zeigt, was Coworking-Spaces vom alten 50-Pfennig-Automaten lernen können – und wie man mit kreativen Zusatzangeboten wie Friseur-Tagen, Massage-Slots und Snackautomaten neue Einnahmen schafft.

Was Coworking Spaces vom 50-Pfennig-Automaten lernen können

Was Coworking Spaces vom 50-Pfennig-Automaten lernen können

Früher standen sie in jeder Eisdiele: 50-Pfennig-Automaten, bunt, glänzend, unterschätzt – und ein Paradebeispiel für clevere Flächennutzung mit Nebenumsatz.

Die Metapher mit dem Automaten

Einmal am Rad gedreht, und raus kam ein kleiner Kaugummi, ein Ring oder ein Überraschungsspielzeug. Der Automat stand neben der Eingangstür, hat keinen Platz weggenommen und keinen Strom gebraucht. Für die Eisdiele war es ein simpler Deal: Sie bekam ihn kostenlos hingestellt, überließ ein paar Quadratzentimeter, und kassierte anteilig mit.

Ein Win-Win-Modell, bei dem Umsatz auf kleinstem Raum entstand. Fast unsichtbar. Aber wirkungsvoll.

Diese Automaten sind nicht nur Nostalgie, sie sind auch eine Metapher für das, was Coworking-Spaces heute oft übersehen: kleine, smarte, nebenläufige Erlösquellen, die im Alltag untergehen.

Was Coworking heute verdient (und was nicht)

Hector Kolonas, der mit This Week in Coworking die globale Szene analysiert wie kaum ein anderer, hat in seinem aktuellen Bericht "The New Revenue Stack" akribisch zusammengetragen, womit Coworking-Spaces heute Geld verdienen.

Vor diesem Hintergrund folgt eine kurze Analyse der Preisentwicklung und warum Büroflächen trotz aller Zusatzangebote weiterhin das wirtschaftliche Rückgrat der Branche bilden.

Quelle: This Week in Coworking

Seine Stack-Analyse zeigt u. a.:

  • Memberships & Day Passes
  • Meetingraum-Buchungen
  • Event-Vermietungen
  • Virtuelle Büros & Postservices
  • Digitale Produkte und Communities
  • Sponsoring, Partnerschaften & Education-Angebote

Das ist substanziell – und viele Betreiber arbeiten aktiv daran, ihre "Stack" zu erweitern.

Aber: War's das schon?

Der blinde Fleck: Der Raum dazwischen

Viele Coworking-Betreiber sehen Fläche rein durch die Brille von möblierten Offices und Buchungskalendern. Dabei gibt es Zeiten, Zonen und Nutzungskontexte, die komplett brachliegen:

  • Abende und Wochenenden
  • Flure, Küchenbereiche
  • Lounges
  • die eigene Community als Nachfragequelle

Hier beginnt das Potenzial für eine neue Denkweise: Coworking als Plattform statt nur als Ort. Wer so denkt, entdeckt plötzlich jede Menge "Automaten", die aktiviert werden können – mit wenig Aufwand, aber messbarem Zusatzertrag.

Drei praxisnahe Ideen, die sich sofort umsetzen lassen

1. Der Friseur im Office

Ein freies Büro steht leer? Warum es nicht einem lokalen Friseur oder Barbier für einen Tag zur Verfügung stellen? Der Anbieter bringt sein Equipment mit, bietet vor Ort Haircuts an – und der Betreiber erhält eine Umsatzbeteiligung oder eine Tagespauschale.

Vorteile:

  • Komfort und Erlebnis für Mitglieder
  • Sichtbarkeit und neue Kunden für den Friseur
  • Zusatzeinnahmen für den Betreiber – ganz ohne Risiko

Solche Aktionen lassen sich auch über interne Newsletter oder Slack-Gruppen leicht bewerben und zu wiederkehrenden Community-Formaten ausbauen.

2. Regelmäßige Massagetermine im Space

Gesundheit ist ein immer größeres Thema – gerade bei Wissensarbeiter:innen. Warum also nicht einen mobilen Masseur oder eine Physiopraxis einladen, z. B. jeden zweiten Dienstag im Monat? Die Slots werden über das Coworking-Team vergeben, Mitglieder zahlen selbst, der Betreiber erhält entweder eine kleine Provision oder einen fixen Platzpreis.

Resultat:

  • Höherer wahrgenommener Wert der Mitgliedschaft
  • Geringer Aufwand durch externe Dienstleister
  • Stärkere Bindung durch persönliche Touchpoints

Diese Dienstleistung wird vor allem von vielbeschäftigten Professionals geschätzt, die ihren Alltag dadurch effizienter gestalten können – und genau deshalb zahlt sie auf den wahrgenommenen Mehrwert ein.

3. Snackautomaten als Umsatzquelle

Die Metapher wird Realität: Moderne Snackautomaten mit gesunden, regionalen oder nachhaltigen Produkten boomen. Betreiber können mit externen Partnern zusammenarbeiten oder eigene Geräte aufstellen – mit kontaktloser Bezahlung und smartem Inventory-System. Viele Unternehmen generieren damit nebenbei vierstellige Beträge pro Monat, abhängig von Standort und Frequenz.

Warum das Sinn macht:

  • Niedrigschwelliger Service mit hoher Akzeptanz
  • Einnahmen durch Umsatzbeteiligung oder Eigenbetrieb
  • Zusätzlicher Touchpoint für Community & Besucher

In Kombination mit Events, Barista-Days oder Food Pop-ups lassen sich darüber hinaus auch thematische Erlebnisse aufbauen, die den Automaten zum Teil der Kultur machen.

Fazit: Mutig weiterdenken, kreativ handeln

Die Zukunft der Coworking-Spaces liegt nicht allein in besserem WLAN, mehr Flex oder cooleren Slogans. Sie liegt in der kreativen Nutzung bestehender Ressourcen: Flächen, Zeiten, Partnerschaften, Communities.

Wer Coworking nur als Quadratmeterverkauf denkt, verpasst 50 % des Potenzials. Wer aber beginnt, Plattform-Logik zu nutzen, kann neue Erlösquellen schaffen – oft mit wenig Aufwand, aber viel Wirkung.

Der 50-Pfennig-Automat hat nichts mit Retro zu tun. Sondern mit einem klugen Prinzip:

Stelle etwas hin, was andere brauchen, lasse sie freiwillig zahlen, verdiene mit, ohne zu stören.

Vielleicht ist genau das der nächste Umsatztreiber in deinem Space.

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