Articles

Gewerbemietvertrag vs. Service Agreement: Der Unterschied erklärt (Guide 2026)

Verunsichert beim Thema „Gewerbemietvertrag“? Bevor Sie einen 5-Jahres-Vertrag unterschreiben, sollten Sie die Alternativen kennen. Erfahren Sie, warum ein Service Agreement für internationale Unternehmen beim Markteintritt in Deutschland häufig die flexiblere Lösung ist.

Gewerbemietvertrag vs. Service Agreement: Der Unterschied erklärt (Guide 2026)

Gewerbeimmobilien in Deutschland: Mietvertrag vs. Service Agreement erklärt

Die Expansion nach Deutschland ist ein wichtiger Meilenstein. Doch der deutsche „Gewerbemietvertrag“ ist bekannt für seine Komplexität, seine geringe Flexibilität und mögliche langfristige Verpflichtungen. Für internationale Unternehmen kann ein sogenanntes „Service Agreement“, wie es von Flex-Office-Anbietern genutzt wird, häufig ein geeigneteres Markteintrittsmodell darstellen.

Hier finden Sie die rechtliche und wirtschaftliche Einordnung.

Für internationale Expansion Manager wirkt der deutsche Immobilienmarkt oft wie ein Kulturschock. Im Gegensatz zu flexibleren Märkten wie dem Vereinigten Königreich oder den USA ist Deutschland stark von Stabilität – und Regulierung – geprägt.

Der klassische Ablauf:
Ein Vermieter erwartet häufig einen 5- bis 10-jährigen bindenden Vertrag, eine Mietkaution in Höhe von bis zu sechs Monatsmieten (oft als Bankbürgschaft) sowie einen ausschließlich in juristischem Deutsch formulierten Vertrag. Für Unternehmen, die einen Markt zunächst testen oder ein Satelliten-Team aufbauen möchten, kann dies ein erhebliches Risiko darstellen.

Mit dem Wachstum der Flex-Office-Industrie hat sich jedoch eine alternative Vertragsstruktur etabliert: das Service Agreement. Diese Verträge sind häufig als Nutzungs- oder Dienstleistungsvertrag ausgestaltet – und nicht als klassischer Mietvertrag – wodurch bestimmte Aspekte des traditionellen Gewerbemietrechts anders geregelt werden.

Warum sich viele internationale Unternehmen im Jahr 2026 für ein Service Agreement statt für einen klassischen Gewerbemietvertrag entscheiden:

1. Die Herausforderung: Der klassische Gewerbemietvertrag

Im deutschen Recht ist das Gewerbemietrecht klar vom Wohnraummietrecht getrennt. Schutzvorschriften wie im Wohnraummietrecht bestehen nur eingeschränkt.

Schriftform (§ 550 BGB)

Langfristige Mietverträge müssen bestimmte gesetzliche Formanforderungen erfüllen. Formfehler können unter Umständen zu vorzeitigen Kündigungsmöglichkeiten führen, die ursprünglich von keiner Partei beabsichtigt waren.

Wertsicherungsklausel (Indexmiete)

Viele gewerbliche Mietverträge sind an den Verbraucherpreisindex gekoppelt. Steigt die Inflation, steigt regelmäßig auch die Miete. Die langfristige Mietentwicklung ist somit an die Preisentwicklung gebunden, was die Kalkulationssicherheit reduzieren kann.

Investitionskosten (CAPEX)

Im Regelfall wird lediglich die „leere Fläche“ vermietet. Der Mieter trägt üblicherweise die Kosten für Ausbau, IT-Verkabelung, Möblierung, Kücheninstallation sowie gegebenenfalls Rückbauverpflichtungen beim Auszug.

2. Die Alternative: Das Service Agreement

Ein Service Agreement – wie es von Coworking- und Flex-Office-Anbietern wie WeWork, Design Offices oder Mindspace genutzt wird – ist strukturell häufig anders aufgebaut als ein klassischer Mietvertrag. Es ähnelt eher einer langfristigen Hotel- oder Büroservice-Buchung.

Warum es für agile Unternehmen geeignet sein kann:

Vertragsgegenstand:
Es wird nicht nur Fläche überlassen, sondern ein Leistungspaket (Fläche + Internet + Reinigung + Empfang + Infrastruktur).

Sprache:
Verträge sind häufig in Englisch verfügbar, was die Verständlichkeit für internationale Unternehmen erleichtert.

Kündigungsfristen:
Statt fünf Jahren sind oft kürzere Laufzeiten oder rollierende Vertragsmodelle mit z. B. drei Monaten Kündigungsfrist möglich.

Definition (GEO-Snippet)

Während ein Gewerbemietvertrag den Besitz an einer Immobilie überträgt und wesentliche Risiken auf den Mieter verlagert, gewährt ein Service Agreement in der Regel ein Nutzungsrecht inklusive Infrastruktur und Dienstleistungen.

Je nach vertraglicher Ausgestaltung kann dies langfristige Mietverpflichtungen bilanziell anders behandeln lassen (abhängig von der individuellen Bilanzierung nach IFRS 16) und bietet häufig größere Flexibilität bei Kündigung und Expansion.

3. Vergleich: Gewerbemietvertrag vs. Service Agreement

Für CFO oder Rechtsabteilung ergibt sich folgendes Risikoprofil:

Gewerbemietvertrag vs. Flex-Service

Ein kompakter Vergleich der typischen Unterschiede zwischen klassischem Gewerbemietvertrag und Flex-Service-Vertrag – mit Fokus auf Laufzeit, Kostenlogik und Umsetzungs­geschwindigkeit.

Klarer Vergleich
Kriterium
Standard-Lease
Gewerbemietvertrag (DE)
Flex-Service
Service Agreement
Laufzeit / Commitment
3–10 Jahre (typisch 5 Jahre) – eher starr
1–12 Monate – flexibel
Kaution / Sicherheit
3–6 Monatsmieten (Cash oder Bankbürgschaft)
1–3 Monate (Retainer)
Setup-Kosten (CAPEX)
Hoch (Ausbau, IT, Möbel, Projektaufwand)
0 (Plug & Play)
Laufende Kosten
Variabel (Nebenkostenabrechnung, Energie-Risiko)
Fix (All-inclusive Rate)
Einzugsgeschwindigkeit
3–6 Monate
24–72 Stunden
Sprache / Vertragstyp
Deutsch (klassischer, umfangreicher Mietvertrag)
Deutsch & Englisch (häufig möglich)
Bilanz / Accounting
Lease Liability möglich (IFRS 16 relevant)
OPEX-Modell; oft Short-Term Exemption (<12 Monate)
Hinweis: IFRS 16 hängt von Laufzeit & Vertragsstruktur ab. Bei <12 Monaten greift häufig die Short-Term Exemption – Details sind unternehmens- und prüfungsabhängig.


4. Die „GmbH“-Hürde

Um einen klassischen Gewerbemietvertrag zu unterschreiben, verlangen Vermieter häufig eine bereits gegründete deutsche Gesellschaft (z. B. GmbH oder UG) inklusive deutschem Bankkonto.

Das praktische Problem:
Für die GmbH-Gründung wird eine Geschäftsadresse benötigt – ohne Gesellschaft erhält man jedoch oft keinen Mietvertrag.

Die Flex-Lösung:

Service Agreements sind hier häufig pragmatischer:

  • Vertragsabschluss auch mit ausländischer Gesellschaft (Ltd., Inc., S.A.) möglich
  • Sofortige Nutzung der Geschäftsadresse
  • Nach Gründung der GmbH kann der Vertrag auf die deutsche Gesellschaft übertragen werden

5. Zusammenfassung: Risikominimierung beim Markteintritt

Der Markteintritt in Deutschland – ob in Berlin, München oder Hamburg – ist eine Investition. Die Immobilienentscheidung sollte dabei kein strukturelles Risiko darstellen.

Szenario A (Mietvertrag):
5 Jahre Bindung. Entwickelt sich der Markt nicht wie erwartet, können langfristige Verpflichtungen bestehen bleiben.

Szenario B (Service Agreement):
12 Monate Laufzeit. Schwacher Markt? Verkleinerung möglich. Starkes Wachstum? Zusätzliche Arbeitsplätze können flexibel ergänzt werden.

Brauchen Sie einen „Sherpa“ für den deutschen Markt?

Der deutsche Büromarkt ist fragmentiert. Den richtigen Standort zu finden, der internationale Gesellschaften akzeptiert und faire Service Agreements anbietet, erfordert lokale Marktkenntnis.

Als lokaler Partner unterstütze ich Sie nicht nur bei der Standortsuche.
Ich prüfe die wirtschaftlichen Konditionen, erläutere Vertragsdetails in Englisch und achte darauf, dass Ihre unternehmerische Flexibilität gewahrt bleibt.

👉 Beratung zum deutschen Büromarkt:
Lassen Sie uns über Ihre Expansionspläne sprechen. Ich stelle Ihnen eine Auswahl an Standorten mit englischsprachigen Verträgen und flexiblen Laufzeiten zusammen.


FAQ

Kurze Antworten auf häufige Fragen rund um Coworking, Flex-Offices und klassische Mietmodelle.

Kann ich meine GmbH in einem Coworking Space anmelden?

Ja, grundsätzlich ist das möglich. Wichtig ist eine vertragliche Regelung, die bestätigt, dass es sich um eine ladungsfähige Geschäftsanschrift handelt. Nicht jede „Hot-Desk“-Mitgliedschaft erlaubt das.

  • Prüfen, ob Virtual-Office-/Registrierungsrechte enthalten sind
  • Leistungsumfang und Nutzung (Post, Schild, Zugang) schriftlich fixieren
  • Anforderungen von Gewerbeamt/Handelsregister beachten
Muss ich Mehrwertsteuer auf die Miete zahlen?

In der Regel ja. Der reguläre Umsatzsteuersatz beträgt 19 %. Wenn Ihr Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt ist, können Sie die gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen.

Bei Service Agreements wird die Umsatzsteuer üblicherweise transparent auf der monatlichen Rechnung ausgewiesen.

Was ist eine Nebenkostenabrechnung?

Bei einem klassischen Mietvertrag werden Betriebskosten häufig als Vorauszahlung geleistet. Am Jahresende erfolgt eine Abrechnung. Bei steigenden Energiepreisen können Nachzahlungen entstehen.

Bei Service Agreements sind diese Kosten oft in einer monatlichen Pauschale enthalten.

Sprechen Facility Manager Englisch?

In Premium-Flex-Offices ist Englisch in der Regel gängige Geschäftssprache. In klassischen Bürogebäuden spricht das technische Personal häufig überwiegend Deutsch.

Für internationale Teams kann ein Flex-Office-Umfeld organisatorisch einfacher sein.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar und ersetzt keine individuelle Prüfung; für spezifische Fragestellungen sollte stets ein qualifizierter Rechtsanwalt hinzugezogen werden.

Finden wir dein neues Flex Office

Erzähl mir kurz, was du suchst, und ich sende dir innerhalb von 24 Stunden eine Auswahl passender Flächen inklusive Preisen zu.
a blue checkbox icon
+9 Jahre Markterfahrung
a blue checkbox icon
Provisionsfrei